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#4: Swisscom testet eReader Plattform (2/2)

| Zürich
Gibt es für eReader neben iPad und anderen Multifunktions-Tablets einen Markt? Wie finden Schweizer Verlage ein zahlendes Online-Publikum? Swisscom präsentierte am 4. Social Media Gipfel das Projekt «Codex» – und hatte damit einen harten Stand.
Dominik Allemann
#smgzh

Die Skepsis war gross beim kritischen smgzh-Publikum. Und Swisscom-Projektleiter Mathias Kienholz geriet bei der Präsentation des Innovationsprojekts «Codex» arg ins Schwitzen.

Warum «Codex»?
Codex (lat. Baumstamm) stand vor Urzeiten für beschriftete Holz- oder Wachstafeln und für in Holz eingeschlagenes Pergament oder Papyrus (Quelle: Wikipedia). Bei Swisscom steht es für das Projekt, welches aus dem Abschied von den Holzmedien ein Geschäftsmodell entwickeln soll. Konkret: Auf eigens dafür gekaufte eReader (Preis noch offen) speichern die Nutzer/innen ihre Bücher, Zeitungen, Magazine oder laden vor der Frühstückslektüre ihre Zeitung – oder ausgewählte Teile daraus – per Synchronisation. Stand Anfang Juni 2010: In Kürze werden die eReader an das Testpublikum ausgeliefert, im Moment ist Swisscom noch mit letztem De-Bugging beschäftigt. Mit den ersten Erfahrungen will die Projektleitung dann über die Projektfortsetzung entscheiden.

Was braucht das Publikum?
Kienholz schloss seine Präsentation mit der Frage: «Was erwarten Sie von einer Online-Zeitung?» Die Antworten, Voten und Fragen lassen sich unmissverständlich zusammenfassen:

1. Multimedia
Niemand mit einem elektronischen Ausgabegerät will auf Videos, Bildergalerien und Hypertext verzichten. Im iPad-Jahr 2010 bitte auch in Farbe. Das Rascheln der Papierzeitung oder eines Buches geniessen wir genüsslich am Sonntag.

2. Multifunktion
Wieviele Geräte kann ein Mensch tragen? Auf meinem Tablet will ich Inhalte konsumieren (Bild, Ton, Schrift) aber auch Mails lesen, den Kalender pflegen, kleine Schreibarbeiten erledigen. Einen zusätzlichen eReader will ich nicht.

3. Offene Plattformen
Was am iPad nervt: Die Allmacht des Anbieters über Sein oder Nicht-Sein in seinem Medienuniversum. Der Wunsch nach einem Geräte- und Plattform-unabhängigem Angebot wächst. Ob ein CH-Konglomerat aus Swisscom und Verlagen hier mächtig genug ist?

Zur Ehrenrettung der CODEX-Projektgruppe sei gesagt: Nichts einfacher, als aus der zweiten Reihe hämisch auf die Machtlosigkeit von Verlagen zu spotten. Swisscom hat mit diesem «explorativen Projekt» wohl einen steinigen Weg eingeschlagen. Aber wer weiss, vielleicht wächst aus den Erfahrungen und nach steilen Lernkurven doch ein Produkt mit Win-Win-Charakter für Nutzer und Anbieter. Zu wünschen wäre es uns allen.

SMGZH 4